Führungskraft einen Fehler gemacht. Verliere ich jetzt das Vertrauen?

Führungskraft einen Fehler gemacht. Verliere ich jetzt das Vertrauen?

Was macht das Eingestehen eines Fehlers mit dem Vertrauen in eine Führungskraft?

In den vergangen Tagen durften wir auf großer Bühne einem Paradestück zum Thema Fehlerkultur bewohnen. Die Bundeskanzlerin macht es vor:

Fehler eingestehen und korrigieren: „Ein Fehler muss als Fehler benannt werden und vor allem muss er korrigiert werden und wenn möglich hat das noch rechtzeitig zu geschehen.“

Verantwortung übernehmen: “Es war mein Fehler. Ich übernehme die volle Verantwortung”

Sich entschuldigen: „Ich bitte um Verzeihung“

So weit, so klar. Interessant wird es nun, wenn wir uns die Reaktionen anschauen. Von „das verdient großen Respekt“ bis hin zu „kompletter Vertrauensverlust“ ist alles dabei.

Ich persönlich habe deutlich mehr Vertrauen in eine Person, die offen und rechtzeitig einen Fehler eingesteht und korrigiert, als in eine, die versucht ihn zu vertuschen und die falsche Entscheidung um jeden Preis durchzieht. Ich erwarte allerdings auch, dass sie reflektiert, was zu dem Fehler geführt hat und daraus lernt, um in Zukunft besser zu entscheiden.

Was aber noch viel entscheidender für mich ist, ist die Frage welchen Einfluss diese Art der von Führungspersönlichkeiten vorgelebten Fehlerkultur auf uns alle hat. Welche Art der Führung hilft einem Team die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu lösen?

In welcher Art von Fehlerkultur leben wir? Was haben wir von klein auf gelernt? Fehler sind zu vermeiden. Fehler sind schlecht. Wenn man Fehler macht bekommt man schlechte Noten. Wer Fehler macht, dem darf man nicht vertrauen.

Kommen Ihnen diese Aussagen bekannt vor?

Stecken diese Überzeugungen auch in Ihnen?

Was macht das mit uns? Wir sind soziale Wesen und als solche streben wir alle (in unterschiedlicher Ausprägung) nach Anerkennung (gute Noten) und Zugehörigkeit (Vertrauen). Also wenden wir alle brav an, was wir gelernt haben und versuchen so wenig Fehler wie nur möglich zu machen, um Anerkennung und Vertrauen zu bekommen.

Die Krux an der Sache ist: wir leben in einer komplexen Welt. Eine komplexe Welt ist nicht planbar. Damit ist auch das Vermeiden von Fehlern nicht planbar. Und noch viel wichtiger: Erfolge sind nicht planbar. Alles was wir in einer komplexen Situation tun können ist, mit den Informationen, die wir haben, Annahmen treffen. Basierend auf diesen Annahmen können wir Entscheidungen treffen und beobachten was passiert. Die einzige Möglichkeit, die wir haben um große Fehler zu vermeiden ist, in kleinen Schritten vorzugehen. Wenn wir dann beobachten, dass unsere Annahme falsch war und somit auch unsere Entscheidung, dann können wir schnell reagieren. Wir haben dann gelernt, dass der eingeschlagene Weg nicht das gewünschte Ergebnis bringt und können einen anderen Weg wählen. Wir haben nun mehr Informationen, mit deren Hilfe wir wieder neue Annahmen treffen können. So können wir Schritt für Schritt die Lösung für unsere komplexe Herausforderung finden. Das geht allerdings nur unter der Voraussetzung, dass wir offen dafür sind anzuerkennen, dass ein Weg nicht der richtige war. Also nur unter der Voraussetzung, dass wir nicht den Fehler machen auf dem einmal eingeschlagenen Weg zu bleiben, auch wenn wir merken er führt uns nicht ans Ziel.

Wie schaffen wir das, obwohl wir doch von klein auf ein anderes Verhalten trainiert haben? Indem Führungspersönlichkeiten vorleben, dass es möglich ist. Indem sie ein Umfeld schaffen, in dem wir Vertrauen haben, dass wir aus Fehlern lernen dürfen, um am Ende erfolgreich zu sein. Und indem wir sie dafür respektieren.

In welcher Art von Fehlerkultur wollen wir leben?

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