Was wir aus 2020 über Führung lernen

Was wir aus 2020 über Führung lernen

Dieses Jahr war ein ganz besonderes, ein unvorhersehbares, keine Frage. Deshalb ist für mich heute besonders spannend die Frage was habe ich gelernt aus diesen Turbulenzen. Vielleicht sogar die Frage zu stellen was wir als Gesellschaft gelernt haben, oder noch lernen könnten.

Für mich persönlich fing das Jahr mit einer ganz bewussten Entscheidung für einen Sprung ins Ungewisse an. Und der Erkenntnis wie befreiend es ist, wenn eine lange anstehend Entscheidung getroffen und kommuniziert ist, auch wenn die pure Ungewissheit vor mir liegt. Ich habe mich entschieden nicht mehr aus der internen Position Menschen und Organisationen bei ihren Veränderungsprozessen zu begleiten, sondern als Externe, also aus der Selbstständigkeit.

Dass sich die ganze Welt gemeinsam mit mir auf eine Reise ins Ungewisse machen würde, das ergab sich erst als ich schon in Bewegung war.

Doch bevor es richtig los ging lernte ich noch eine sehr menschliche Lektion, die mich für dieses besondere Jahr geprägt und in gewisser Weise auch gut vorbereitet hat. Ich durfte erleben, wie gleich mehrere Schicksalsschläge (Alzheimer, Todesfall) in meiner Familie neben allem Traurigen auch sehr viel menschliche Wärme erzeugt. Es entstanden dadurch engere Verbindungen und ich durfte erleben wie wohltuend Dankbarkeit ist. Und das gleichermaßen für den Empfänger, als auch für den Geber. Meine Lektion daraus: ich werde daran arbeiten besser zu werden im Annehmen von Hilfe. Denn nur so erlaube ich mir und auch dem Helfenden diese erfüllende Erfahrung.

Und was können wir nun alle aus diesem Turbulenten Jahr lernen? Wir wurden gemeinsam Zeuge eines Lehrstücks zum Thema Führung durch ungewisse Zeiten, dass auf der ganz großen Bühne aufgeführt wurde. Die Corona-Krise hat uns vor eine hoch komplexe Aufgabe voller Unsicherheit gestellt, für deren Lösung es keinerlei Best-Practices gibt, und zwar nirgendwo in der Welt. Wie funktioniert nun Führung in einer solchen Situation? Ich möchte hier auf einige wichtige Elemente eingehen: 1. Vision und Ziele, 2. Annahmen treffen und entscheiden, 3. klare Kommunikation, ein klarer Rahmen und Selbstverantwortung einfordern, 4. aus Feedback lernen.

1. Vision und Ziele:

In einer komplexen Situation voller Unsicherheit ist es zwar nicht möglich konkreten Ergebnisse vorauszuberechnen, es ist aber sehr wohl möglich eine klare Vision (beispielsweise Menschenleben vor der Pandemie retten) zu haben, auf die sich alles weitere ausrichtet. Um diese Vision zu realisieren können nun konkret messbare Ziele und Zwischenziele definiert werden (zum Beispiel die Intensivstationen vor Überlastung schützen, Ansteckungswege unterbrechen, die Fallzahlen reduzieren).

2. Annahmen treffen und entscheiden: 

Da wir uns in einer komplexen und unsicheren Situation bewegen, können nun zum Erreichen der definierten Ziele, auf Basis des (wenigen) vorhandenen Wissens, Annahmen getroffen werden (Kontaktreduzierung unterbricht Ansteckungswege und reduziert Fallzahlen). Diese münden nun in Entscheidungen und Maßnahmen (Großveranstaltungen absagen, Schulen schließen), die umgesetzt werden. 

3. Klare Kommunikation, einen klaren Rahmen geben und Selbstverantwortung fordern: 

Gerade in einer Situation, in der keine klaren Ergebnisse vorausberechnet werden können, ist eine klare und offene Kommunikation eine essentielle Führungsaufgabe. Denn nur wenn Menschen Entscheidungen verstehen, können Sie auch folgen und im Sinne der Ziele und des vorgegebenen Rahmens Eigenverantwortung übernehmen. Zu einer klaren und offenen Kommunikation gehören nicht nur die Vision und die Ziele, sowie die daraus abgeleiteten Entscheidungen bzw. Maßnahmen. Als besonders wichtiges Element gehört auch dazu die getroffenen Annahmen, aufgrund derer entschieden wurde transparent zu kommunizieren. Dazu gehören auch die jeweiligen Annahmen, welches konkrete Ergebnis in welchem Zeitraum durch die jeweilige Maßnahme erwartet wird. Ganz wesentlich ist aber auch die offene Kommunikation darüber, dass diese Ergebnisse eben unsicher und nicht vorhersehbar sind. Und folglich auch die Offenheit darüber, wenn Maßnahmen nicht das gewünschte Ergebnis bringen. 

4. Aus Feedback lernen: 

Da wir ja klar definiert haben welches konkrete Ergebnis wir wann durch unsere Maßnahme erwarten, werden wir auch ein klares Feedback bekommen, ob diese Annahme eintrifft. Nun ist wichtig, dass wir in jedem Fall daraus lernen: Trifft unser angenommenes Ergebnis ein, lernen wir, dass unsere Maßnahme wahrscheinlich die gewünschte Wirkung hatte und wir können überlegen, wie wir diese Wirkung weiter verstärken können. Wirkt unsere Maßnahme nicht wie erwartet, dann lernen wir, dass wir etwas verändern müssen. Auch in diesem Fall haben wir neues Wissen gesammelt, dass wir wiederum in neue Annahmen und Entscheidungen für Maßnahmen einfließen lassen können. Und schon sind wir wieder bei Punkt 2 angelangt. 

Mein Fazit für dieses Jahr ist, dass wir sehr viel von dem gesehen haben, was Führung in einer hoch komplexen und unsicheren Situation braucht. Wurde immer alles richtig gemacht? Sicher nicht. Aber das war auch nicht zu erwarten, denn wir haben es eben mit einem Problem zu tun, dass sich nicht berechnen lässt. Hätte vieles besser gemacht werden können? Auch das ist mit einem klaren Ja zu beantworten und auch das ergibt sich aus der Herausforderung und ihren Unwägbarkeiten. 

Für 2021 wünsche ich mir auf allen Ebenen mehr Führung dieser Art, denn die meisten Probleme des Lebens sind komplex und unvorhersehbar. Ich wünsche mir auch noch mehr Offenheit im Bezug auf das Feedback und das Lernen: wirkliche, schonungslose Offenheit darüber welche Annahmen und Entscheidungen im nachhinein falsch waren und welche Lektionen wir für die Zukunft daraus lernen, ohne Rücksicht auf politische Ziele.

Außerdem wünsche ich mir für 2021 und darüber hinaus, dass unserer Gesellschaft nicht in die trügerische Falle des „Neuen Normal“ und der vermeintlichen Sicherheit und Berechenbarkeit des Lebens tappt. Sondern, dass es ihr gelingt diesen Modus des Annehmens von Unsicherheit und Veränderung, die mit Hilfe von ständigem Lernen aus Versuch und Irrtum gemeistert werden kann, beizubehalten. 

Und ich bin Dankbar. Auch wenn es auf vielen Ebenen ein trauriges Jahr war und uns allen viel Unsicherheit beschert hat, bin ich dankbar für alles, was ich gelernt habe. Und ich bin Dankbar für die Hilfsbereitschaft und die tiefen menschlichen Verbindungen, die ich erleben durfte, trotz und manchmal gerade wegen der Distanz.

Und natürlich bin ich dankbar dafür, dass ich so viele tolle Menschen dabei begleiten durfte die Veränderung umzusetzen, die sie sich in ihrem Leben wünschen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen ein zauberhaftes Weihnachtsfest und einen guten Starte ins neue Jahr!

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